Albtraum Honorarvertrag? Arbeitsmarkt für DaF-Lehrer in Deutschland
Ich war ein paar Tage kranke und während ich so im Bett lag, hatte ich ausreichend Zeit über meine berufliche Zukunft nachzudenken. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob diese Gedanken den Genesungsprozess beschleunigt haben…
Über die Wege, die einem als DaF-Absolvent offen (drücken wir es lieber nicht ganz so euphemistisch aus) zur Verfügung stehen, werde ich in einem nächsten Artikel berichten. Heute soll es erst einmal um das Los als Honorarkraft in Deutschland gehen.
Wie viel verdient der Durchschnitts-DaF-Honorarlehrer?
Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten?
Und wie viele Stunden müsste er dann pro Woche arbeiten?
Zunächst zu den monatlichen Ausgaben: Diese Übersicht ist absolut subjektiv und aus neubundesländischer Sicht und kann gern kritisch kommentiert werden.
- Miete 300,-
- Strom 40,-
- Lebensmittel 200,-
- Auto 130,-
- ÖPNV 30,-
- Krankenversicherung, Arzt, Medikamente 300,-
- Pflegeversicherung 35,-
- Rentenversicherung 420,-
- Telefon, Handy, Internet, GEZ 50,-
- Versicherungen (wenigstens die Haftpflicht) 20,-
- Steuern 150,-
- Gesamtsumme: 1675,-
Wie man sieht darin enthalten sind NICHT:
- Ausgaben für Kino, Theater, Essen gehen
- Haustiere
- Urlaub
- zusätzliche Versicherungen (Hausrat-, Unfall-, Lebens-)
- Zigaretten
- Altersvorsorge
- Rücklagen (wenn die Waschmaschine plötzlich kaputt ist)
Wir können also ruhig noch 200 bis 300 € drauf schlagen und damit es eine runde Summe wird, gehen wir von monatlichen Ausgaben in Höhe von 2000,- € aus.
Das durchschnittliche Einkommen als DaF-Lehrer mit Honorarvertrag beträgt 15 €/UE, d.h. wir müssen 134 UE pro Monat leisten, das sind pro Woche 33,5.
33,5 UE pro Woche???!!! Das sind 6 bis 7 UE pro Tag. Ok, viele werden jetzt sagen: Ja, und? Andere arbeiten 40 (Zeit-)Stunden in der Woche. Richtig, aber die haben Feierabend, wenn Feierabend ist. Als Lehrer gehören Vor- und Nachbereitungen dazu, Prüfungsvorbereitungen, -abnahmen, -korrekturen. Hinzu kommen Fahrwege, denn es ist unrealistisch bei einem Arbeitgeber 33 UE in der Woche leisten zu können. Deswegen gibt es ja Honorarverträge, weil oft nur Kurse mit 5 UE in der Woche durchzuführen sind.
Die Konsequenz? Unterricht nach Lehrbuch, ohne eigene Kreativität, ohne Eingehen auf individuelle Probleme. Kann man machen. Aber dafür hab ich nicht so lange studiert!
Die Alternativen? Folgen bald.
Donnerstag 5. März 2009 um 19:04
Studium fertig – und was nun? Quarterlife crisis für DaFis…
Quarterlife Crisis wird es neudeutsch genannt, das Loch, in das viele Studenten nach ihrem Abschluss erst einmal fallen. Ich wage zu behaupten, dass es für DaFis besonders schlimm ist, wenn sie das erste Mal einen ernsten Blick auf den Arbeitsmarkt we…
Donnerstag 9. Juli 2009 um 09:08
Danke für die Aufstellung! Die ist sehr informativ und hilfreich. Ich überlege nämlich grade für eine mittelmäßig bezahlte Honorarstelle umzuziehen.
Was mir in der Rechnung allerdings komplett fehlt, sind Ferien und Feiertage, da sich Kurse ja oft an den Schulzeiten orientieren.
Und, was noch viel wichtiger ist, was ist, wenn ich krank bin???
Mittwoch 14. April 2010 um 12:52
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Montag 27. September 2010 um 21:05
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