Die Bedeutungen eines Wortes

Die Homepage eines Kommentators hat mich mal wieder an die Wichtigkeit einer guten Semantisierung im DaF-Unterricht erinnert. Auf seiner Seite sammelt er ganz persönliche Wortbedeutungen. So schreibt eine Nutzerin über das Wort Baby:

Für mich bedeutet ein Baby die größte Herausforderung die man als Mann oder Frau machen kann. Einen Baby ein neues Leben zu schenken, mit Liebe aufzuziehen ist sicherlich der größte Reiseprozeß im Leb

Leider ist die Sammlung der persönlichen Wortbedeutungen noch nicht sehr groß. Spannend sind aber auch die Sammlung der ersten und (vermutlich) letzten Wörter im Leben und die Geschichten, die Nutzer zu einem Wort schreiben. Daraus lässt sich doch was für den Unterricht machen! Aber zurück zur Wortbedeutung und einem halbwissenschaftlichen Artikel.

Neben der grafischen und akustischen Gestalt, der Ausdrucksseite, besitzen Wörter ja auch eine Inhaltsseite, die Bedeutung. Sprachen lernen wäre einfach, wenn die Wortbedeutungen verschiedener Sprachen gleich und lediglich in einer anderen äußeren Gestalt realisiert wären. Dem ist leider nicht so, denn man kann verschiedene Bedeutungsarten unterscheiden:

  • die denotative, die sich auf ein Denotat bezieht, also einen Gegenstand der Wirklichkeit, der konkrete (figurale, temporäre, biologische …) Merkmale aufweist und damit relativ kulturneutral ist (z.B. Tisch = Platte mit vier Beinen) = Hauptbedeutung
  • die konnotative, die die emotionale und stilistische Vorstellung eines Begriffes miteinschließt, diese kann kulturabhängig sein, aber auch vollkommen individuell = Nebenbedeutung
  • die kulturspezifische Bedeutung

Eine erfolgreiche Kommunikation ist nur dann möglich, wenn sich die Wortbedeutungen der Kommmunikationsteilnehmer ähneln. Innerhalb einer Sprachgemeinschaft gibt es eine Art konventionalisierte begriffliche Kenntnis, also eine innerhalb dieser Gemeinschaft gültige Vorstellung von einem Begriff, auch kulturspezifischer Prototyp genannt.
Bsp.: Der Prototyp eines Vogels ist in den USA ein Spatz, in Nigeria sicher nicht.

Diese kulturspezifische Bedeutung muss ein Fremdsprachenlerner beim Wortschatzlernen miterwerben. Juliane House bezeichnete das Wortschatzlernen einmal passend als

Tor zur Kultur.

Warum ist das so wichtig?
Weil Missverständnisse vorprogrammiert sind, wenn von unterschiedlichen Bedeutungen ausgegangen wird, und auch weil solche Missverständnisse zur Herausbildung von Vorurteilen beitragen können.

Bsp.: Der Satz “Komm doch mal vorbei.” wird in Deutschland gelegentlich als Verabschiedungsfloskel gebraucht, ohne dass wirklich gemeint wird, der Angesprochene solle einfach mal vorbei kommen. Wir Deutschen gehen in der Regel davon aus, dass sich ein Besuch vorher anmeldet. Wenn ich mich von einem Schüler mit dem Satz “Kommen Sie doch mal vorbei.” verabschiede, meine ich das zwar ernst, würde aber ganz schön dumm aus der Wäsche gucken, wenn er am nächsten Tag einfach so vor meiner Tür steht.

Wie aber soll ich es schaffen, im DaF-Unterricht all die konnotativen und kulturspezifischen Wortbedeutungen zu vermitteln?
Antworten drauf gibt die Interkulturelle Wortschatzarbeit und ich in einem der nächsten Artikel.

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